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Roboter werden unangenehme Alltagsaufgaben übernehmen

Künstliche Intelligenz (KI) wird unser künftiges Leben immer mehr beeinflussen. Das Leben mit Robotern, die Dinge in unserem Alltag erledigen, ist längst keine Science-Fiction mehr. Schon heute begegnen wir an jeder Ecke künstlicher Intelligenz in Form von automatischen Suchergebnissen, die auf bestimmten Algorithmen basieren: ChatBots, die uns Rede und Antwort stehen, und Smartwatches, die unsere Herzfrequenz und Schlafintervalle messen und so Aufschluss über unsere Gesundheit geben.

 

Laut Definiton ist KI ein Forschungsgebiet, das sich damit befasst, Computer und Maschinen zu entwickeln, die intelligentes Verhalten an den Tag legen und dabei das menschliche Verhalten und Handeln nachzubilden. KI hat schon längst Einzug in unseren Alltag gehalten. In Produktionsstrassen übernehmen sie gesundheitsschädliche und gefährliche Aufgaben. In der Medizin werden Operationsroboter bei mikroskopisch kleinen Operationen eingesetzt. Auch bei Brettspielen wie Schach und Dame kommen sie zum Einsatz. Und sie fliegen sogar zum roten Planeten Mars.

Doch wie werden uns diese künstlichen Systeme künftig beeinflussen? Vor allem Randgruppen, die schon jetzt mit Vorurteilen gegenüber ihrem Geschlecht und Herkunft zu kämpfen haben, werden dies noch deutlicher zu spüren bekommen, wie unter anderem die Studie „Big Data’s Disparate Impact“ von Solon Barocas und Andrew D. Selbst zeigt. Durch einen Algorithmus, der im Hintergrund die Daten analysiert oder zu bestimmten Stichworten bestimmte Ergebnisse anzeigt, kann es schnell passieren, dass z. B. bei der Eingabe afroamerikanischer Namen 25 Prozent mehr Anzeigen zur Vorstrafenregistersuche auftauchen als bei anderen. Das kann in der Realität zu dem ungewollten Effekt führen, dass man annimmt, dass diese Bevölkerungsgruppe besonders häufig zu Straftaten neigt. Somit werden Vorurteile geschürt. Damit dies künftig nicht so ist, überarbeiten die führenden KI-Unternehmen wie Google, Microsoft, Amazon und IBM kontinuierlich ihre Algorithmen. Allerdings reagieren sie auf solche Fehler in ihrem System immer nur, wenn Kritik daran geäussert wird. Daher wird es künftig umso wichtiger, eine unabhängige Stelle einzurichten, die diese KI-Systeme ständig überprüft, wie etwa AlgrithmWatch (mehr dazu lesen Sie auf Seite 62).

Welche Auswirkungen KI aber generell in Zukunft auf die Gesellschaft haben wird, ist noch nicht genau erforscht. Bisher war jedes Experiment dazu rein hypothetisch. Dass KI nicht auf alle unsere sozialen Bereiche Einfluss haben wird, zeigt das Beispiel der mithilfe von Algorithmen erstellten Heatmaps in Chicago, die zeigen sollen, wo sich Personen aufhalten, die am ehesten in Schiessereien verwickelt werden. Zwar wird damit die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Polizei vermehrt bestimmte Personen kontrolliert. Die Kriminalität wird dadurch aber nicht abgeschwächt.

 

Und wie sieht es in der Arbeitswelt aus?

KI übernimmt schon jetzt einen Teil der Aufgaben, die früher von Menschenhand getätigt wurden. Generell gilt in der Arbeitswelt der Grundsatz: Je strukturierter die Tätigkeit ist, desto wahrscheinlicher wird sie künftig von einem Roboter übernommen. Branchen, die laut der Studie „The Future of Employment: How Susceptible are Jobs to Computerisation?“ am meisten davon betroffen sein werden, sind Branchen, in denen etwas nach einem logischen Muster gebaut wird oder die viel mit Mathematik zu tun haben (z. B. Metallarbeiter und Versicherungsmakler). Schon heute sind mehr als eine Million Roboter mit einfachen Montageaufgaben in der Industrie betraut. Und diese Zahl wird in den kommenden Jahren explosionsartig ansteigen.

Trotzdem werden die Arbeitsplätze nicht insgesamt weniger – nur anders. Ein Roboter ist ebenso eine Maschine, wie die, die er zusammenbaut. Es braucht demnach künftig mehr Entwickler und andere, die sich um die Roboter „kümmern“. So wird uns die Arbeit nie ausgehen, solange auch die Ressourcen dafür unendlich sind – vor allem Energie. Jeder Technologie-Schub schafft neue Arbeitsplätze und -weisen, weswegen bereits von der „Arbeit 4.0“ die Rede ist.

Wenn Sie das Ganze optimistischer sehen, wird Ihnen auffallen, dass die Roboter uns hauptsächlich die unangenehmen Aufgaben abnehmen werden. Somit bekommen wir mehr Zeit und Kraft für die schönen Aufgaben des Lebens. So beschreibt es auch die New-York-Utopie: „Arbeit in Zukunft ist jene Leidenschaft, die sich selbst bezahlt“. Doch wie lässt sich dies in der Zukunft umsetzen? Durch die zunehmende Digitalisierung sind 45 Prozent der Jobs in den nächsten 20 Jahren gefährdet. Daher müssen Unternehmen und der Staat in Aus- und Weiterbildungen sowie Umschulungen investieren, damit diese freigewordenen Arbeitskräfte auch künftig einen festen Platz in der Arbeitswelt haben.

Auch unsere Mobilität wird die KI verändern. Automatisiertes Fahren wird immer mehr zur Realität. Erste Forschungen und Entwicklungen in diesem Bereich gibt es bereits. Vor allem die grossen Internetkonzerne wie Google haben bereits erste Prototypen getestet. Das wird nicht nur Einfluss auf die Automobilindustrie haben, sondern auch auf unsere Art uns fortzubewegen und zu leben. Autounfälle, verursacht durch menschliches Versagen werden abnehmen, und die Fahrtzeit kann für andere Dinge genutzt werden, z. B. dem Beantworten von E-Mails.

KI wird auch in die Chefetagen vordringen. Damit werden Gehaltsverhandlungen und Co. in der Zukunft zwar einfacher, aber auch rationaler. Das heisst, die emotionale Schiene fällt bei solchen Themen künftig weg und es wird nur noch auf Basis der Arbeitsergebnisse argumentiert – wirtschaftlich gesehen sicher eine gute Entwicklung. Sozial gesehen erreicht man sicher das Gegenteil, machen doch menschliche Beziehungen im Arbeitsleben einiges aus. Und ob Arbeitnehmer von einer Maschine Vorschriften und Befehle annehmen, steht nochmal auf einem ganz anderen Papier.

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