Telefonie

BESTIMMT DAS HANDY DEN ALLTAG?

Dass sich bereits ein Wort für Menschen, die permanent auf ihr Smartphone starren, etabliert hat, sollte nachdenklich stimmen. Smombies – die Kurzform für Smartphone Zombies wurde als das Jugendwort 2015 erkoren. Sind es tatsächlich nur die Jugendlichen, die mit der Smartphone-Nutzung übertreiben oder ist es eine Volkskrankheit geworden?
Das kleine Gerät bestimmt unser Leben, regelt unseren Alltag, verwaltet Termine, vernetzt uns mit Freunden und sorgt dafür, dass wir immer und überall erreichbar sind. Für die einen ist es ein nützlicher Gebrauchsgegenstand. Für andere hingegen hat der Blick aufs Smartphone beinahe etwas Zwanghaftes. Ist dieses Bedürfnis, immer und überall online und erreichbar zu sein normal? «In den letzten Jahren hat das Thema „online sein“ in der gesellschaftlichen Diskussion einen wichtigen Stellenwert eingenommen.
Das Internet ist aus unserer Kultur nicht wegzudenken», erläutert die Psychologin Stéphanie Troxler. In Bezug auf die Frage „Sucht oder nicht“ erklärt sie, dass man in Fachkreisen nicht von Handysucht spreche. Viel mehr sei die Onlinesucht generell das Thema. Dieses Forschungsfeld sei relativ neu und es gebe bis dato keine offizielle Diagnose, weder für Online- noch für die Handysucht.

Woran erkennt man, dass man süchtig ist?
Eine konkrete Zahl zu Handysüchtigen ist deshalb nicht verfügbar. «Die Fragestellung, ob die Onlinesucht ein ernstzunehmendes Krankheitsbild ist, kann ich dann beurteilen, wenn ich beobachte, wie hoch die individuelle Belastung ist.

Oft sind es nicht die Betroffenen selbst, die Hilfe suchen. Viel mehr gelangen Angehörige an Beratungsstellen oder eben an uns Psychologen», so Stéphanie Troxler weiter. Ist man wirklich süchtig, sind die Folgen gravierend, wie bei jeder anderen Abhängigkeit auch.

Warnzeichen können sein:
• ständiges Checken von Nachrichten
• unmittelbares Beantworten aller Kommentare auf allen Kanälen
• Phantom Cellphone Vibration Syndrome: Wir glauben, unser Handy hätte vibriert oder geklingelt, ohne dass das der Fall war.
• Unaufmerksamkeit in Gesprächen (weil parallel dazu gechattet oder gepostet wird)
• Verschlechterung von Leistungen bei Schülern
• Kontrollverslust und Weitermachen trotz negativer Folgen
«Wirklich problematisch wird es, wenn kaum noch Zeit für anderes bleibt (z.B. für Freunde, Ausbildung, Arbeit, Schlafen, Essen). Vorsicht ist geboten, wenn sich Langeweile oder Frust nur mit dem Computer vertreiben lassen», ergänzt die Mediensprecherin der Fachstelle Sucht Schweiz.
Wer sich selbst testen will, macht die Probe aufs Exempel. Es gibt verschiedene Apps, die das Handyverhalten aufzeichnen und Rückschlüsse zulassen. Anwendungen wie Menthal, Checky, Offtime, Hypnobeep oder Qualitytime geben Rückmeldung über die Nutzungsgewohnheiten. Wer bestimmte Auszeiten einhält, bekommt eine Belohnung.

Hoffnungslos oder nicht?
Wie lernt man, mit dem Handy bewusst umzugehen, lautet die Frage. Die älteren Generationen beherrschen den Umgang meistens. Sie sind ohne die permanente Erreichbarkeit aufgewachsen. Für junge Erwachsene ist die Herausforderung eine andere, da sie ein Leben ohne Mobiltelefon nicht kennen.

Regeln wirken unterstützend:
• Auf der Toilette und im Badezimmer ist das Handy tabu.
• in Gesellschaft den Flugmodus einschalten und die sozialen Kontakte live geniessen
• Push-Nachrichten deaktivieren
• das Handy abends ab einer bestimmten Zeit (mind. eine Stunde vor dem Schlafen gehen) ausschalten
• anstelle des Handyweckers einen normalen Wecker anschaffen
• in der Freizeit das Handy zu Hause lassen
• über die Mittagspause das Handy in den Flugmodus stellen
Ein Aspekt ist besonders wichtig. Als Erwachsener hat man eine Vorbildfunktion gegenüber Jugendlichen. Wer seinen Kindern einen vernünftigen Umgang mit dem Handy beibringen will, soll diesen auch bewusst vorleben.
Infos und Webseiten:
Spannende Einblicke zum Thema Mediennutzung liefert die Studie James der Zürcher Hochschule.
Informationsportal zur Förderung von Medienkompetenzen – www.jugendundmedien.ch
Onlinesucht für Eltern – Das sagen die Profis: www.feel-ok.ch/onlinesucht
Onlinesucht für Jugendliche: www.feel-ok.ch/webprofi-onlinesucht Buch: Onlinesucht: Ein Ratgeber für Eltern, Betroffene und ihr Umfeld, Willemse Isabel (2015).

 

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